Mein Name, „Anastasia“, bedeutet „die Auferstandene“. Der Name scheint Programm zu sein. Vor genau sechs Jahren bin ich fast gestorben. Oder sollte ich lieber sagen, dass ich an diesem Abend neugeboren wurde? Seit dieser Nacht bin ich ein anderer Mensch. Meine Sichtweise auf das Leben hat sich verändert, meine Werte haben sich neu sortiert und ich bin radikaler in meinen Entscheidungen geworden.

In den vergangenen Jahren habe ich mich sehr viel mit dem Tod und der Geburt auseinandergesetzt. Ab wann stirbt etwas wirklich und ab wann genau beginnt das Neue? Was braucht es für einen sanften Tod und ab wann wird man mit dem Neuen schwanger? 

Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr kam ich zu dem Ergebnis, dass der Tod und die Wiedergeburt ein immer fortlaufender Prozess sind. Wechselseitig. Im Wechselbad. Dazwischen: Der Versuch, die Fassung nicht zu verlieren. Den Boden unter den Füßen zu spüren. Zu leben! Und immer wieder sich für das Neue zu öffnen, das Unbekannte zu empfangen. 

Wir befinden uns permanent in der Übergangszeit zwischen dem Alten und dem Neuen. Jede Sekunde ist die Vergangenheit und die Zukunft zugleich. Wenn das Alte nicht mehr da ist und das Neue noch nicht sichtbar, befinden wir uns in dem magischen Jetzt. 

Wo nichts ist – kann alles werden. 

Wo nichts ist – ist alles da.

Besonders spürbar wird die Kraft des Todes in Zeiten einer Krise. Wie man damit umzugehen hat, haben die wenigsten von uns gelernt. Wie verabschiedet man überhaupt das Alte und öffnet sich für das Neue?


Einer der wichtigsten Tools, finde ich, ist das Abschiednehmen in Würde: 

Bei jeder Art von Trennung bin ich persönlich immer für einen würdevollen Abschied. Ich halte überhaupt nichts von Drama, von Türen knallen und nie wieder miteinander sprechen. Ganz im Gegenteil, ich glaube, es ist sehr sehr wichtig, dass man sich die Dinge noch mal sagt, die einem auf dem Herzen liegen, bevor man endgültig die Beziehung verlässt. Ich glaube, es ist richtig, dass man sich noch einmal ein paar Minuten lang umarmt und die Liebe, die einst da war, erneut durch den Körper fließen lässt. Das besänftigt die Zellen und öffnet sie für das Neue. Wer im Groll geht, der nimmt dieses Gefühl mit in die neue Beziehung. Das merkt der neue Partner, es steht im Raum, es hindert beide an der Hingabe, aber vor allem hindert es dich daran frei zu sein.

Ich möchte dich ermutigen, deine alte Lebensphase in Würde zu verabschieden. Verabrede dich mit ihr zum letzten Mal. Vielleicht magst du dem alten Leben einen Brief schreiben oder einfach nur damit sein, es zum letzten Mal spüren und genießen. Bedanke dich bei deinem bisherigen Leben, das dich bis hierher gebracht hat, und freue dich darüber, dass es dir und deinen Bedürfnissen oft gedient hat. 

Erzähle deiner alten Phase auch, warum du traurig oder aber froh bist, dass sie jetzt endet. Versprich ihr, nicht allzu schlecht über sie in deiner neuen Zukunft zu sprechen, das hat sie nicht verdient. Nehmt euch zum Abschied in den Arm und haltet euch so lange, bis es okay ist zu gehen. Und dann geh.


Das Commitment für das Neue: 

Wie wirst du gerne behandelt, wenn du als jemand Neues in den Raum oder eine Situation kommst? Mit welcher Energie willst du gerne empfangen und mit welchen Worten durch den Tag begleitet werden? 

Ich plädiere für kompromissloses Commitment! Ich bin für Fairness und offenes Herz. Ich möchte „Ja“ meinen, wenn ich „Ja“ gesagt habe.
Ich finde, bei einem Neubeginn darf es keine halben Sachen geben. Keine lauwarmen Suppen. Entweder – du willst das Neue oder eben nicht. 

Da wieder ein Beispiel einer Liebesbeziehung: Es ist doch unfassbar unangenehm, wenn man denkt, man sei mit jemandem zusammen und plant die gemeinsame Zukunft, während dieser Mensch gedanklich und emotional noch immer in der vergangenen Beziehung ist. Es ist doch unfair, oder? Das gehört sich doch nicht! Das ist nicht anständig. 

So oder so ähnlich verhält es sich auch mit dem Neuen in deinem Leben. Es braucht deine vollkommene pure Energie und deine Zuneigung, damit sich das gesamte Potenzial entfalten kann. Andernfalls ist es wie eine Pflanze, die zu wenig Wasser bekommt und irgendwann nicht das Maximum ihrer Schönheit zeigen kann, die sie eigentlich in sich trägt.

Sei sanft mit deiner neuen Lebensphase. Ihr lernt euch gerade erst kennen. Blick es verliebt an, berühre es vorsichtig. Macht gemeinsame Pläne und habt wilden Sex miteinander. Für ein schönes Miteinander muss man etwas tun – öffne dich dafür, gehe diese Beziehung ein. 

 


Das Dazwischen: 

Zwischen dem Abschiednehmen und dem Eintritt des Neuen ist – nichts.

Eine Leere. 

Eine Stille.
Und dahinter der Frieden. 

Vielleicht merkst du das, wenn du die Augen schließt und ganz sanft ein- und ausatmest. Dort ist nichts und gleichzeitig alles! 

Tauche da ein. 

Immer und immer wieder. 

Denn wo nichts ist, kann alles werden.