„Ich verstehe nicht, warum ich es einfach nicht mache!“, beschwert sich ein Freund und zieht dabei seine buschigen Augenbrauen zusammen. „Dabei will ich es doch!“, betont er noch einmal. „Ich weiß, wenn ich diesen Traum nicht verwirkliche, dann werde ich unglücklich sein.“
Ich nicke. Kenne ich. Auch ich verschob meine Vorhaben, Pläne, und Ideen immer wieder auf das Irgendwann. Wissend, dass irgendwann nicht einfach so kommt. Lass mich dir erzählen, wie das Jammer mit dem Buchschreiben wirklich war.

Ich schrieb. Nein, das ist gelogen, ich sprach die ganze Zeit darüber, dass ich schreiben möchte. Ich tat immer so als ob. Dass es irgendwann HIER im Regal liegen wird. Ich sprach so viel darüber, dass ich gar nicht mehr zum Schreiben kam. Ab und zu schrieb ich mal 2-3 Seiten, nichts was man ernst nehmen könnte. Schon bald verließ mich immer wieder die Lust, und ich fiel immer wieder zurück in die Lethargie und das übliche Gequatsche: „Ich würde ja soooo gerne ein Buch schreiben. Aber… aber…“

Es vergingen 19 (neunzehn!!!) Jahre.

Nach meiner Trennung von meinem Freund saß ich da und dachte: Was passiert eigentlich mit Träumen, wenn man sie nicht lebt? Wie fühlen sie sich wohl, wenn man zwar über sie spricht, sie aber nie wirklich anpackt? Wenn sie nicht irgendwann beleidigt, enttäuscht, resigniert und verlassen uns verbittert? Sie haben alles dafür getan von uns gesehen zu werden und wurden doch so eiskalt ignoriert. 

Ich fühlte Scham. Nicht etwa um meine eigene Schwäche, sondern um die Respektlosigkeit vor wunderschönen Ideen, die MICH ausgesucht haben, die von MIR verwirklicht werden wollten und dann doch so herzlos abgewiesen wurden. 

Doch warum ignorieren wir das Leben, dass durch uns erfahren werden möchte, so sehr? Warum haben wir meistens keinen Arsch in der Hose, um unsere Träume wahr werden zu lassen? 

Ich gebe dir ein paar meiner Gedanken, überprüfe sie dennoch immer wieder, ob sie für dich auch passen sind. Es sind nur Ideen und meine Wahrnehmungen. 

Zum Einen haben wir nicht gelernt sorgfältig, vorsichtig mit Hinweisen des Lebens umzugehen. Wir wissen teilweise gar nicht was ein Ruf des Lebens, was ein Hinweis aus der magischen inneren Welt ist und was einfach nur ein Hirngespinst. Die meisten von uns sind so sehr im Kopf, wollen erst alles verstanden haben, erst alles analysiert. Doch das Leben, die Träume, das ist keine Formel. Es gibt keinen Weg XY, keine Erlösung für deine Sehnsucht. Es gibt keine Abkürzung – es gibt nur das Fühlen, den Ruf hören, und dann diesen für alle Menschen um dich herum sichtbarer machen. Erlebbar. Berührbar. 

Die Zweifel, ob es denn schon gut genug ist, lassen dich nicht handeln, stimmt’s? Diese Frage kenne ich mehr als gut. Ich wollte immer erst ein bisschen klüger werden, erst ein bisschen besser, bekannter auch und irgendwie schon dort, wohin ich ja eigentlich wollte. Total paradox! Es ist dann immer wieder dieser Spagat zwischen dem Ort, an dem ich bin und zwischen dem, wohin ich will. Verständlich, ja, dennoch wird es sich nicht von alleine lösen. Es wird einfach keiner kommen, und diese Lücke zwischen dem Jetzt und der Zukunft zu füllen. 

Dann möchte ich dir noch etwas sagen, was vielleicht kurz weh tun könnte: du handelst nicht, weil du nicht genug leidest. Das Leben hat dich noch nicht genug an die Wand gepresst, dass du irgendetwas verändern musst! 

Dir geht es so gut, auch wenn du zeitweise etwas anderes behauptest, dass du nichts verändern musst. Du hast es dir bequem gemacht, du hast Menschen um dich herum, die dich in deinem Leiden suchen lassen und vielleicht sogar daran mit baden. Das suchen nach deinem Thema, dass der Kreativität, nach dem Feuer in dir ist dein Lebensmittelpunkt geworden. Würdest du wirklich beginnen deine Träume zu leben – worüber würdest du dann eigentlich reden?

„Tja, und nu’?!“, denkst du vielleicht jetzt und weißt nicht was zu tun ist. Es fühlt sich groß an, und gleichzeitig so leer. 

Eins steht schon mal klar: Wer ein Buch schreiben möchte, muss aufhören darüber zu reden, und sollte den Laptop aufklappen und beginnen zu tippen. 

Fang langsam an. Du musst mir schon mal das Cover gestalten, du musst mich schon das Dach bauen, bevor der Boden nicht belegt ist. Kümmere dich um dich. Öffne deine Kanäle, reinige dein System, und werde dir klar darüber: Was möchte ich in diesem Leben verstanden haben?

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