Umwege erhöhen die Ortskenntnisse. Es ist eigentlich recht hübsch hier!

Ich mag es ehrlich und direkt. Weder mit der Wimper oder dem Mundwinkel zu zucken, den Blick nicht abwendend und auch nicht nach politisch korrekten Sätzen suchend – direkt ins Herz.

Ich erzähle, weil ich viel beobachte, erkenne und erlebe; dabei denke ich nichts aus, muss nicht einmal den Spannungsbogen kreieren oder verschieben, das Leben schenkt mir all das, einfach so.

Es hat einige Jahre gedauert, bis ich meine Sprache und die dazu passende Stimme gefunden habe. Die Jahre auf der Suche verbrachte ich mit Melancholie, Traurigkeit, Wut und auch dem Kampf gegen das bestehende System:

Ich fühlte mich von den politischen und familiären Gegebenheiten aufgehalten, ich wollte ausbrechen, träumte von einem freieren Dasein und wollte endlich die sein dürfen, die ich im Herzen fühlte zu sein.

In diesen Jahren entdeckte ich meine Kreativität, die mich dabei unterstützte meine Geschichte aufzudröseln, diese zu verstehen und zu verarbeiten. Die von mir initiierten Projekte und Organisationen „anderStark – Stärke braucht keine Muskeln“ und „inkluWAS – design, das denken verändert“ waren die Zwischenergebnisse meiner Suche nach dem Sinn des Seins.

Nach meinem Sinn des Daseins.

Aber nochmal von vorn, Entschuldigung:

Mein Name ist Anastasia Umrik, ich bin „um die 32“ (ich habe keine Lust diesen Text jährlich am 9. Februar ändern zu müssen) und meine Lieblingsfarbe ist rot: Roter Lippenstift und roter Wein. Ursprünglich bin ich aus Kasachstan, aber ich spreche, denke und schimpfe akzentfrei Deutsch.

Für die möglicherweise entstehenden Fragen, möchte ich an dieser Stelle erzählen, dass ich aufgrund einer Muskelerkrankung (Spinale Muskelatrophie, genannt auch SMA, Kugelbern Welander, Typ 3 – für Google hier so ausführlich geschrieben) mit einem elektrischen Rollstuhl unterwegs bin. Und dass ich meinen Alltag mithilfe der persönlichen Assistenz gestalte.

Es spielt kaum eine Rolle in meinem gewohnten Alltag, in dem ich als Coach, Autorin oder Rednerin arbeite.

Ich könnte jetzt seitenweise erzählen, dass ich toll, witzig und engagiert bin. Dass ich es „geschafft“ habe, obwohl nur wenige daran geglaubt haben. Schließlich habe ich alle Merkmale eines zur Randgruppe gehörenden Menschen mitgenommen: Weiblich, Ausländerin und auch noch behindert. Doch am Ende des Tages zählt all das nicht, wenn wir uns auf den Kern unserer zahlreichen Fragen fokussieren, die uns pur, so ganz ohne äußere Erscheinungen mal im Regen, mal in der Sonne stehen lassen. Wohinter verstecken wir uns dann? Etwa hinter der Haarfarbe? Irgendwann habe ich meine „Randgruppenthemen“ abgearbeitet und stellte fest, das alles war und ist nicht der Grund für meine Zweifel, für meine Fragen gewesen. „Worum geht es also dann?!“ – die Suche ging weiter.

Ich bin mit einer sehr starken Intuition und ausgeprägten Antennen für meine Umwelt geboren, die mit den Jahren immer stärker wurden.

Schon als Kind wurde ich aufgrund meines Gespürs für Menschen und die Sicht auf die Welt oft ausgegrenzt, und war für die meisten „zwar schlau, aber bisschen zu altklug“. Ich konnte Emotionen der Anderen spüren, die Zusammenhänge erkennen und Situationen kommen sehen, die anderen völlig verborgen blieben.

Ich beschloss in der Pubertät auf Biegen und Brechen so zu werden wie Andere. Wie andere ohne Behinderung, wie andere ohne diese besonderen Gaben und so, wie andere mich gern hätten. So stark war der Wunsch endlich anzukommen, endlich weniger aufzufallen und lieber in der Masse unterzugehen, als ständig mit meinen eigenen Emotionen konfrontiert zu werden und dafür kein Verständnis zu bekommen.

„Die Tür zu meinem Herzen, meiner Intuition und meiner weiblichen Weisheit knallte ich laut zu und war mir sehr sicher: So lebt es sich einfacher!

Sie können sich vorstellen, wie es endete. Es funktionierte natürlich alles überhaupt nicht, der Plan ging völlig nach hinten los und ich schlitterte direkt vom Erfolg (mit anderStark und inkluWAS) direkt in ein tiefes Loch voller Müdigkeit, Lethargie und schlechter Laune.
Einige nennen es Burnout, ich denke, es war meine eigene Stimme meines eigentlichen Ichs, die es satt hatte ignoriert zu werden und sich derart schlecht behandeln zu lassen. Alles, was raus wollte, sprach zunächst leise, dann immer lauter, bis sich auch der Körper einschaltete und nichts mehr weiter ging. Gar nichts.

Wenn ich weiter leben wollte (und das wollte ich!), war ich gezwungen zu reagieren, denn weder mein Herz noch der Körper ließen sich weiterhin veräppeln. Vorsichtig, etwas genervt, ziemlich müde, auch ängstlich und nicht ohne Demut öffnete ich langsam meine Tür des Herzens und bat alles, was ich bisher gewaltsam vor die Tür schmiss, wieder hinein. Zum Kennenlernen, zum Angucken, zum Annähern. Seitdem bin ich wieder vollständiger, muss mich nicht verstellen, darf mir und meinem Bauchgefühl wieder vertrauen und weiß, dass ich weder Buddha bin und den ganzen Tag lächeln muss, noch dass ich eine Rolle spielen muss, die gar nicht zu mir passt.

Ich bin meinen Weg gegangen und gehe ihn noch immer. Manchmal sind es breite Wege, manchmal schmale, geteerte (das sind meine Lieblingswege!) und manchmal stehe ich auf einem großen Platz, der aus Kopfsteinpflaster besteht – das ist dann Schwierigkeitsgrad 9 von 10. Dort warte ich dann, bis ich wieder in voller Kraft bin und weiterziehen kann.

Meine Prioritäten haben für mich wieder die richtige Reihenfolge eingenommen, das fühlt sich gut und richtig an. Ich habe beschlossen meine Erfahrungen und meine intuitive Sicht auf die Systeme, Strukturen und die Lebensweisen als Coach, Rednerin und Autorin weiterzugeben.

Lieber Besucher und liebe Besucherin meiner Seite, ich freue mich aufrichtig, dass Sie Ihren Weg zu meinen Texten und meiner Arbeit als Coach gefunden haben. Bleiben Sie doch noch ein bisschen, lassen Sie sich inspirieren, vielleicht nehmen Sie auch etwas für sich mit. Wenn Sie mögen und Ihnen danach ist, schreiben Sie mir gern – Ihre Eindrücke, Gedanken und Hoffnungen. Es interessiert mich.

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