Wenn ich meine Augen schließe, drei Mal ein und ausatme, weiß ich die Antwort auf alle meine Fragen. Ich spüre sie in meinem Bauch und in meinem Herzen, dort, wo es keine Hüllen und keine Masken braucht, dort wo die Wahrhaftigkeit herrscht. Sie breitet sich in meinem Körper aus und fühlt sich gut an, so lange, bis es Richtung Kehlkopf geht und von mir fordert diese nach Außen zu tragen. Meine Wahrheit auszusprechen. Und dann stockt es und schnürt mir den Hals zu.

Ich kenne die Wahrheit schon lange und trage es dennoch mit mir herum, belüge mich seit Wochen. Ich schäme mich.

Ich schäme mich zu sagen, dass ich in manchen Augen versagt habe, dass ich mich selbst überschätzt habe und dass mal wieder nicht auf meine innere Stimme gehört habe. Denn hätte ich auch nur eine Minute hingehört, wäre es nicht so weit gekommen und ich mich jetzt nicht zum zweiten Mal blamieren müssen. Ich schäme mich. Ich schäme mich auf meinen Körper erneut nicht rechtzeitig gehört zu haben, denn mein Bauch, meine verspannten Schultern, mein Suchen nach den richtigen Worten haben es schon längst kommuniziert. Ich wollte die Wahrheit nicht aussprechen.

Manchmal stelle ich mir vor, dass meine Ideen oder sogar schon ins Leben gebrachte Projekte wie echte Lebewesen sind. Sie verdienen Aufmerksamkeit, Zeit, Liebe und Genuss. Sie wollen wachsen, aber dafür brauchen sie Pflege und die richtige Umgebung.

Wisst ihr was? Es sind Lebewesen, denn sie sind Energie.

Okay. Puh. Verdienen meine Projekte es so von mir behandelt zu werden?

Ich arbeite nicht (mehr) für Prestige, ich arbeite auch nicht (nur) für Geld. Sogar möchte ich mich von dem Lob von Außen freimachen, was natürlich nicht immer funktioniert.

Für mich ist es wichtig, dass ich glücklich bin mit dem, was ich schaffe. Ich möchte frei sein, das Gefühl haben zu immer wieder neue Sachen zu lernen, zu wachsen und meine Kreativität auszuleben. Wenn der ganze Körper (ja okay, zumindest ein Teil davon) freudig bebt und die Schmetterlinge los fliegen – ja, DAS ist die Antwort, das ist der Weg, den ich gehen will.

Tja. Lebe ich denn immer das, wovon ich so schwärme und wonach ich strebe?

Leider nein.

(Auch das ist Wachstum.)

Der Körper weiß vor dem Kopf, ob es ein JA ist oder ein NEIN. Und: Wenn es kein klares Ja ist, ist es ein superklares Nein.

Kann ich meinen Worten selbst noch glauben?

Ich versuche eine Erklärung zu finden, warum ich überhaupt so blind gegen mich selbst manchmal bin. Mein Ego liebt es natürlich liebkost zu werden. Natürlich tut es mir gut zu hören, wie großartig meine Ideen sind und waren, „Ach und damals, weißt du noch…?“

Ja, natürlich weiß ich noch! Und dann kommt die Sehnsucht nach damals, nach der Energie der Macherin in mir, das war doch auch recht schön alles. Ein Schritt folgt dem nächsten, der eine Trigger berührt den weiteren, und noch bevor ich mich umsehen konnte, habe ich es schon rausgehauen:

„inkluWAS ist wieder da!“

Ich wünschte es wäre anders, aber ich bin nicht mehr die, die die Nächte durchmacht, die auf zehn Hochzeiten Tango und Lambada gleichzeitig tanzen kann, die taub für sich und andere um sich herum ist. Ich bin langsamer, als ich dachte und ich brauche Zeit, um alles Erlebte zu Meinem zu machen – das gefällt mir allerdings recht gut.

Ich mag die Momente der Stille, in denen ich mein Gesicht in die Sonne zu strecke und den Laptop einfach zugeklappt lasse.

Ich habe mich verändert, das kann ich nicht mehr leugnen oder wegmeditieren. Ich sehne mich nicht nur nach Freiheit, ich lebe sie. Ich fordere sie ein. 

Ich bin wach und klar. Ich weiß, sobald sich ein Gedanke, eine ToDo sich über mehrere Wochen als schwer anfühlt, sich nicht erledigen will und mein schlechtes Gewissen wächst und die Konzentration, der Fokus schwindet, dann weiß ich: Ich habe es verpasst rechtzeitig Schluss zu machen.

Ich habe das Ziel gute, inspirierende Bücher zu schreiben und alles, was neu dazu kommen mag, in die Welt zu holen. Es genügt mir an Aufgaben, an Freude. Ich bin voll.

Ich kneife meine Augen zusammen und nuschele es ganz schnell heraus, hoffe, dass ich doch verstanden werde:

Ich werde inkluWAS endgültig beenden.

Jetzt ist es raus und ich fühle mich leer. Bin weder traurig, noch euphorisch. Ich dachte, da würde mehr passieren. Und doch fühle ich: Es ist richtig!

Facts:

  • Die Website geht am 1. Juli offline und die E-Mail Adresse wird abgeschaltet werden. Bis dahin könnt ihr – zum letzten Mal, diesmal wirklich – alle Produkte bestellen.
  • Es gibt auch noch zahlreiche, hübsche Postkarten, diese sind allerdings nur über mich und nicht im Shop erhältlich. Eine Postkarte kostet 50 – 90 Cent, es gibt noch sehr viele davon. (Welche genau, poste ich in der Story unter @inkluwas und @anastasieee1) Die Postkarten sind nur über mich erhältlich, schreibt mir bitte eine Mail dazu an info@inkluwas.de.
  • Die Socialmedia-Kanäle werden ebenso am 1. Juli abgeschaltet und werden nicht mehr wiederbelebt werden.

Es tut mir so Leid! Es tut mir vom Herzen Leid!

Und dennoch überwiegt die Dankbarkeit für all das, was gewesen ist. Für all das, was bleibt.

Denn mal ganz ehrlich gesprochen: Das Designlabel war eine verdammt gute Idee!

Komm, das letzte Mal noch, dann ist aber wirklich Schluss:

 

2 Idee über “Freiheit und Scham: Eine Entscheidung stand aus

  1. b.schoenberg@hotmail.de'
    B.Schönberg sagt:

    Das war wirklich eine tolle Idee mit dem Designlabel,und ich liebe mein TShirt,das ich so vor gefühlt fünf Jahren auf der Reha Care gekauft hab.Gibt es noch zu erwerbende Restbestände?

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