Die letzten Tage, gar Wochen, war ich verzweifelt.
Ich dachte, dass ich schon wieder an meine körperlichen Grenzen komme. Und somit auch an meine mentalen.
Ich dachte, es geht schon wieder nichts, und ich werde schon wieder gebremst.
Von meinem Körper. Vom Leben. Und ich darf diesem Zustand mal wieder hilflos zuschauen.

Ich erzähle dir, was passiert ist.

Wie du vielleicht schon weißt, habe ich eine Muskelerkrankung und kann mich daher nicht immer gut bewegen. Je nach Wetter, je nach Stimmung, je nach Lebensphase geht es mal besser, mal schlechter.
Ich war erstaunt darüber, dass ich den ganzen Winter über – in der Jahreszeit, in der es mir normalerweise nicht so gut geht – sehr gut schreiben konnte.
Ich habe sogar ein Buch geschrieben. Ich habe es quasi am Stück durchgeschrieben! In keinem Moment haben meine Arme gestreikt. Ich war so dankbar und überrascht.
Ich dachte, die Arme wissen wohl, wie wichtig mir dieser Traum ist. Wie wichtig, endlich die Sachen zu sagen, die in mir schlummern.

Das Problem: ich fühle mich noch immer nicht leer. Ich habe noch immer so viel zu sagen, doch jetzt… jetzt streiken die Arme. Sie sind so müde. Sie wollen nicht mehr.
Ich fühlte mich in ein Loch fallen, dachte, warum bin ich in einem Körper, der sich weigert bzw. unfähig ist, meine Energie in diesem Körper ausleben zu können!?
Tagelang saß ich nur da – mal an der Elbe, mal am Fenster, mal im Wald. Und ich dachte nach. Dachte, was zu tun sei und… wohin mit meiner Energie?!

Wie kann ich mein Wissen, meine Weisheit, meine Gedanken mit dir jetzt teilen, ohne über die Grenzen meines Körpers zu gehen?

Da merkte ich wieder, dass ich mich selbst in eine Schublade des Opfer-Daseins presste. Dass ich mich wieder in eine Dunkelheit schubste, obwohl das gar nicht nötig war!
Ich, besser ein Teil von mir, möchte sogar in dieser Rolle wahrgenommen werden und sich darin – in diesem Schmerz – suhlen, dass … mein Körper sich verweigert, dass nichts geht, dass ich immer am Limit meiner Möglichkeiten lebe, dass ich von meinen eigenen nie aufhörenden Ideen erdrückt werde. Ein Teil von mir will leiden, weil es so gut kennt und weil es darin immer Mitgefühl und eine angenehme Opferrolle fand.

Aber… ist es wirklich so? Ist das die Wahrheit?

Oder ist genau das der Kern meines Seins, immer wieder flexibel zu sein? Immer wieder nach einer Lösung suchen, die erst einmal und nach außen hin überhaupt nicht sichtbar ist? Die überhaupt nicht in der Wahrnehmung ist?

Worum geht es eigentlich? Worum geht es MIR im Leben?

Nach stundenlangem Schauen aufs Wasser oder den Gesprächen mit den Bäumen kam ich nach Hause und dachte: „Mach dir keine Sorgen, die Lösung wird kommen!“
Und tatsächlich…. ich möchte dir an dieser Stelle erzählen, dass diesen Text für mich eine wunderbare Frau (Conni Köpp, bereits vorgestellt in einem Podcast) tippt. Ich rief sie an und fragte sie: „Conni, kannst du mir helfen? Ich habe so viele Ideen, habe so viel zu sagen, aber meine Arme…. sie verweigern sich! Kannst DU meine Arme sein?“
Und Conni sagte: „ JA!“
Und so sprach ich meinen Text ein und Conni tippte ihn für mich! Allein mit ihrem „JA“ spürte ich, wie Energie zurück zu mir kam und Macht, Eigenmacht, wieder zu meiner wurde!

Ich bin kein Opfer meines Lebens. Ich bin nicht gefangen in meinem schwachen Körper. Ich kreiere mich selbst! Ich erfinde mich immer wieder neu, ich suche die Lösungen, kreiere die Lösungen und lasse mich doch nicht von mir selbst aufhalten! Ich lasse mich doch nicht von diesen Äußerlichkeiten aufhalten, um in der Welt meine Liebe zu zeigen!

Ich weiß um Situationen, die schwer zu lösen sind.
Ich weiß, da nützen keine fancy Lösungsansätze.
Es nützt nichts, sich dem hinzugeben, so Scheiße manche Situationen auch sind! Und unbequem!
Und unfassbar schmerzvoll.

Ich stelle eine Frage:
Meinst du nicht, dass die meisten Situationen / Schwierigkeiten in unserem Leben von uns selbst kreiert wurden oder es noch immer werden?
Meinst du nicht, dass es eigentlich „bequeme Schubladen“ sind, auch wenn wir nach außen hin sagen „… nein, nein, nein, ich möchte nicht hier sein, nicht in dieser Schublade – sie ist mir eigentlich zu eng und unbequem!“?

Ich möchte NICHT als jemand wahrgenommen werden, der zu behindert, zu dick, zu dünn, zu weiß oder schwarz ist… und trotzdem machen wir es uns in einer dieser Schubladen bequem.
Ich beobachte das häufig bei vielen Menschen, die mir einerseits erzählen, ihr Leben gern ändern zu wollen, aber…. sie fallen dann in wieder alte Muster und bleiben einfach dort, wo sie sind.

Doch wenn wir etwas NEUES in unserem Leben anziehen wollen, dann können wir NICHT das alte Leben leben! Wir können nicht so tun, als würden wir uns dem Wandel hingeben und den Sprung schaffen, doch gleichzeitig in der „Sicherheitsecke“ bleiben… Das passt nicht zusammen! DAS kauft das Leben uns nicht ab! Das Leben fragt uns immer wieder: „Meinst du es ernst mir mir oder nicht? Willst du einfach nur so tun, als würdest du „leben“ (aufstehen – Alltag – ins Bett gehen) oder willst du wirklich LEBEN?“

Wo machst du es dir bequem und warum?

Warum fällt es dir manchmal leichter, dich hinter deinen „Unmöglichkeiten“ zu verstecken? Mal sind es die Kinder, mal ist es der Partner, mal ist es das Wetter, mal sind es die streikenden Arme. 

Ganz ehrlich, irgendwas ist ja immer.

Ich kenne diese Tage der Dunkelheit. Kenne die Tage der Angst, dass es nie wieder besser wird. Doch es WIRD besser, wenn… wenn man NEUE Wege geht – das verspreche ich dir. Man weiß nicht, wie er wird, der neue Weg, denn hier sind noch keine Fußstapfen (von jemand anders) zu sehen. Du musst deine eigenen hinterlassen!

Du musst das Alte verlassen, um das Neue zu kreieren.

Ich habe auch Angst. Sogar höllische Angst, dass ich… scheitere. Dass nichts mehr geht. Ich habe Angst, an meiner eigenen Liebe zu ersticken, weil ich vielleicht die Möglichkeit nicht finde, sie zu leben!

Doch ich möchte dir und mir sagen:

Man muss nicht mit dem Hintern wackeln können, um durch das Leben zu tanzen!

 

(Foto: Luisa Aedtner)

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