Dass wir alle glücklich sein wollen, muss ich nicht in Frage stellen, oder? Da sind wir uns, denke ich, einig. Vielleicht ist es sogar der einzige Punkt in dem wir uns ALLE einig sind: Wir wollen glücklich sein und leicht. Doch die wenigsten von uns sind es, auch in diesem Punkt sind wir uns sehr einig. 

Mich treibt schon sehr lange die Frage um: Warum ist es so? Warum weigern wir uns regelrecht glücklich zu werden oder es nachhaltig zu bleiben? 

Ich möchte mit dir ein Bild teilen, das in mir lebt, welches die Situation im Großen und Ganzen ganz gut erklärt: Jedem Menschen ist ein Gullideckel zugeteilt unter dem es ganz schön abgeht. Es brodelt, es stinkt, es ist dunkel, es ist ein guter Versteckplatz für alles, was uns unangenehm ist und für alles, was uns wertvoll erscheint, auch. Von unten kommt der Druck und manchmal, der steigt meistens mit den Jahren, kann man dem noch kaum standhalten. 

Der Druck und das Vibrieren des Gullideckels wird immer mehr und ganz ehrlich, es ist nicht mehr  möglich zu verheimlichen. Alle stehen bei ihrem Gullideckel mit einer Tasse Kaffee oder Tee als wäre es ein Lagerfeuer. Wir lächeln möglichst unbefangen vor uns hin, tun so, als würde das alles gar nichts mit uns ausmachen. GAR nichts. Wir lächeln zum Nachbarn auf dem benachbarten Gullideckel rüber und rufen: 

„Na? Ist bei dir auch so viel los?“ 

Der Nachbar nickt, etwas erschöpft sieht er aus. Aber so wie er möchten wir auf gar keinen Fall sein und sind erst mal einfach nur froh, dass es bei uns noch alles gut ist, zumindest einigermaßen. 

Doch du kannst nicht mehr verleugnen und ignorieren, dass dein Gullideckel ebenso vibriert, dass es nicht mehr lange dauert, bis etwas nach oben schießt und dann – dann ist die Kacke richtig am dampfen. „Noch ist es ja nicht soweit!“, denkst du und lehnst dich innerlich nach hinten, holst dir vielleicht noch neuen Kaffee, weil ist doch alles egal, jetzt ist es noch nicht soweit. Du kümmerst dich um alles, wenn es soweit ist, das versprichst du dir selbst.

Es ist für viele leichter die Verbindung zu dem zu halten, was sie bereits kennen, was für sie jahrelang immer vertraut war. Die Traurigkeit, das Herumeiern, das Hinterfragen und das – man könnte fast schon sagen – regelrechte „Verweigern“ des Glücks. Die meisten Menschen um uns herum haben dieses Leuchten in den Augen auf ihrem Weg irgendwo verloren. Wir auch. Wir haben uns mit ihnen verbündet und unsere Freundschaften und Netzwerke aus den falschen Motiven gehalten. 

Das Nichtwissen um die Freiheit hat uns zu Verbündeten gemacht. 

Wenn unser Deckel gleich hochgeht, sollen wir uns dann dem Shit widmen oder doch lieber so tun, als wäre nichts? 

Ganz ehrlich – die meisten Menschen entscheiden sich für das Nichtstun, so ist es einfacher für alle Beteiligten. All die gesamte Energie, die wir haben, all die Techniken, die uns zur Verfügung stehen, verwenden wir ausschließlich darauf, den Gullideckel unter Kontrolle zu halten. Wir stellen uns drauf, wir strengen uns an, damit es bloß keiner merkt, wie hoch der Druck von unten ist, wie sehr es kurz vor der Explosion ist. 

Und stinken? Das tut es sowieso überall, das fällt nicht weiter auf. Na, immerhin das!

Was genau unter diesem Deckel sich versteckt, was genau unter der Scheiße liegt, das weißt nur du. Und du weißt, oder zumindest ahnst du, dass da neben dem Shit auch etwas Schönes liegt, dein persönlicher Schatz. 

Bitte nenn mich nicht romantisch. Bitte nenn mich nicht naiv. Fühle jetzt nur genau in dich hinein – und du wirst wissen, dass ich Recht habe. 

Dieser Schatz von dem ich spreche, ist nichts was man greifen kann, es ist nichts womit man reich werden kann, es ist höchstwahrscheinlich auch nichts, wofür du von jemand anders gelobt wirst. Doch es ist der Kern deiner eigenen Seele, es ist der Kern deines Seins. 

Warum bist du hier?
Nein ernsthaft, ich frage mich das wirklich ganz ganz oft:
Warum bin ich hier?
Warum sind wir hier?
Warum bist du hier? 

Ich stelle diese Frage oft an mich, nur in diesem Text auch an dich:
Bist du wirklich hier, um zu warten, bis dir jemand das Glück auf einem Tablett anbietet? Bist du wirklich hier um deine gesamte schöne zahlreiche Energie darauf zu verschwenden, den Gullideckel unter Kontrolle zu halten, damit deine Scheiße nicht hochgeht, damit dich dann die Anderen dafür nicht verurteilen?

Es lässt sich leider nicht vermeiden: Du musst von dem Deckel runter, du musst es hochgehen lassen. Du darfst die Scheiße hochspritzen lassen, und – das empfindest du vielleicht als schlimm – du musst die Scheiße bis zum Grund schöpfen, bis da nichts mehr ist. Du musst in die Tiefe, du musst in die Dunkelheit. Soweit, bist du denkst, weiter, tiefer geht es wirklich nicht mehr! 

Nur dort wirst du zu dem kommen können, warum es für dich hier in diesem Leben geht. 

Weißt du, das Ding ist, jemand der nicht mehr „stinkt“, der nicht mehr die Energie auf das Zurückhalten des Lebens verschwendet, jemand der seine eigene Scheiße kennt, der ist nicht mehr manipulierbar. Der ist nicht lenkbar. Der ist nicht abhängig. Und: Der ist schlicht und ergreifend frei. 

Ja, es wird Verhalten und Gefühle hochholen, die jahrelang unterdrückt wurden. Es wird alles womöglich auf den Kopf stellen. Es wird nicht mehr angenehm und schön sein, es wird dreckig, stinkend, und sehr sehr eklig. Du wirst kotzen. Du wirst weglaufen wollen und es nicht mehr können. Du wirst mit deinem eigenen Abfall konfrontiert sein, und manche Menschen werden dich dafür verachten. 

Ist es trotzdem gut? Ja, sehr!
Wird es für dich gut für dich ausgehen? Mehr als das!

Wenn der Prozess etwas dauert, ärgere dich nicht, mach dich selbst dafür nicht fertig. Ich kann verstehen, dass du intuitiv weißt worüber ich spreche und dich trotzdem fragst, wie mache ich das denn jetzt genau? 

Diese Frage beschäftigt uns alle früher oder später. Das Ding ist: Nur die Wenigsten von uns haben gelernt glücklich zu sein und das wird uns allen jetzt zum Verhängnis. Wie es ist seine Impulse zu unterdrücken, wie es ist traurig zu sein, das wissen wir ganz genau. Wir kennen die Melancholie und die Sorgen besser als unsere besten Freude. 

Setzt da nicht auch ein wenig Abschiedsschmerz ein zu wissen, dass wir uns entscheiden müssen, ob man in der Traurigkeit bleibt, also auf dem Gullideckel, oder ob man jetzt den Mut fast und anfängt mit allem aufzuräumen? Die gedämpfte Stimmung, das Getrübtsein, wurde zu einem großen Teil unseres Seins. 

Ganz konkret bedeutet es, dass Heilung und die Suche nach der Freiheit, erst mal die gesamte Identität infrage stellt, es ist nicht klar wer wir sind und noch weniger wer wir – danach –  sein werden.

Ich kann verstehen, dass wir die Heilung schnell wollen. Sofort. Leider ist es nicht so einfach, es dauert Jahre. Und es ist okay. Wir haben ganz viel Zeit. 

Du hast Zeit, ganz egal wie alt du bist. 

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