Groß zu denken wird niemandem beigebracht, klein zu sein und es zu bleiben, das dagegen schon. Auch mich versuchten einige in eine Schublade zu pressen, versuchten sie zu schließen, mich leise zu kriegen. Sie ahnten nicht, dass es unmöglich ist, dass ich Kommoden einfach nicht mag.

Für mich ist Mut nicht das Fehlen von Angst, sondern die Angst zu spüren, sie zu umarmen und sie dennoch sanft zu überwinden.

Ich fühle mich inzwischen mutig. Ich kombiniere Farben, von denen man sagt, sie gehören nicht zusammen, bin an Orten, an denen man nicht mit mir rechnet. Ich schaue dem Geschehen längst nicht mehr nur durch’s Milchglasfenster zu, bin nicht in der dunkelsten Ecke versteckt. Nein, ich bin da. Ich stehe in der Mitte und gehöre dazu, tanzend und aus vollem Herzen lachend verneige ich mich vor den von mir gesprengten Schubladen.

Mut ist keine Selbstoptimierung und der steile Weg nach oben oder die Radikalität, der Kampf dagegen. Nein, Mut ist weich wie Wasser, und nur deshalb so machtvoll und stark. Mut ist Entfaltung von dem, was schon da war, bevor es durch Ereignisse und Verletzungen verschüttet wurde.

Mutig ist es, aus den Steinen, die das Leben geboren hat, keine hohe Mauer um sich herum, sondern einen stabilen Boden unter den eigenen Füßen zu bauen.

Mutig sein wird oft mit Schwere gleichgesetzt, es soll das Schwimmen können gegen den Strom beweisen.

Mut ist einfacher, viel pragmatischer:

Fehlt dir der Mut, brauchst du Menschen, die dir Wind unter die Flügel pusten, bis du abhebst. Menschen, die dich ermutigen, deinen Weg zu gehen. Erkenne, die Zuversicht zwischen den Zeilen und niste dich ausschließlich dort ein.

Denke nicht über das nach, was du noch alles brauchst, um zum Ziel zu kommen. Alles ist schon da. Es ist genug und du bist genug.

Stell dir lieber die Frage, was weg darf, was stört und dich aufhält.

Und dann, dann darfst du dem Geräusch deiner Schritte lauschen, wenn du Dinge verlässt, die dir nicht mehr gut tun.

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Diesen Text gibt es auch zu hören:

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Photo by Scott Webb on Unsplash

3 Idee über “Der Boden unter den Füßen

  1. Pingback: Monatslieblinge im März - Rückblick- xmalanderssein

  2. mail@sandraelsig.com'
    Sandra sagt:

    Liebe Anastasia – mit diesem Artikel schreibst Du mir aus der Seele. Das Pressen in eine Schublade kenne ich nur zu gut. Bei mir war es das Gewicht. Als Kind ständig „Bummelchen“ genannt zu werden und als solches immer wieder bewertet werden, damit man sich schön ruhig verhält in der Schublade. Immer wieder wollte ich raus, das Gegenteil beweisen und entdecken. Heute schaue ich mit ganz viel Liebe und Herz zurück, richte mich mutig auf und darf sein, wer ich bin. Dein Artikel bringt das ebenfalls ganz zauberhaft auf den Punkt. Gerade der Satz, dass wir aus Steinen keine Mauer bauen sollen, sondern ein stabiler Boden als Basis. Das nehme ich grad gerne mit. Als Inspiration und Bild – vielleicht setzte ich es als letzter um – falls ja, lasse ich es Dich gerne wissen. Alles Liebe für Dich. Herzlich Sandra

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