Résumé 2014: „…weil alles fließt und nichts bleibt.“

„Es bleibt alles im Fluss, aber es bleibt niemals etwas stehen.“ habe ich neulich irgendwo gelesen und fand das schön, tiefgründig, inspirierend. Wie oft lesen wir Sätze oder sagen sie sogar, weil sie gut und schlau klingen, ohne zu verstehen WAS sie überhaupt bedeuten?

Im November und Dezember bin ich depressiv. Ich vermisse den Sommer und genieße nur selten den Herbst. Den Winter verachte ich. Auch jetzt: Der Sommer ist noch lange nicht in Sicht, sie spielen wieder ‚Last Christmas‘ und verlangen: „SEID BESINNLICH!!!“ Dann ist auch noch in wenigen Tagen Silvester – ab geht’s nach Amsterdam, London oder in die Alpen. Ich bin mal wieder spät dran, habe den perfekten Moment zum Planen und Buchen verpasst. Wahrscheinlich werde ich mich alleine vor dem Fernseher betrinken.

Jedes Jahr ist das so. Jedes verdammte Kackjahr denke ich: „So, und nun? Ist DAS alles?“

Dabei passiert so viel. Das merke ich nur nicht, denn wir alle sind ja immer ‚gestresst‘. Was war denn eigentlich 2014 los?

– Die Inklusion verläuft schleppend. Ich fühle mich dennoch recht gut inkludiert, solange es nicht um Geld (gleichberechtigte Verdienstchancen und das Recht auf Sparen) geht. Ich bin immer noch motiviert für die Rechte von Menschen mit Behinderung zu kämpfen und möchte ab dem neuen Jahr wieder mehr dafür tun.

– Beruflich habe ich vieles geändert. Einiges verabschiedet, einiges entwickelt. Dachte nach, bedachte dabei vieles nicht, überdachte alte Projekte, durchdachte neue Pläne und jetzt fehlt nur noch das Dach. (Sorry, für diese alberne Satzspielereien, aber das wollte ich schon immer mal bringen!)

– Ich habe meine komplette Wohnung renoviert. Eines morgens bin ich auf aufgestanden und habe beschlossen neue Farben, Muster und Gefühle in meine Bude zu bringen. Seit dem Sommer steht mein Schreibtisch am Fenster und ganz Rothenburgsort kennt mich. (Über die Vorkommnisse müsste separat berichtet werden.)

– Freundschaften brauchen manchmal eine gesunde Portion an Reflektion, und deshalb habe ich einigen Menschen gesagt: „Wie schön, dass du in meinem Leben bist. Bleib bitte.“

– Ich habe die Zärtlichkeit für mich neu entdeckt: Es ist okay, wenn man mal auf der Couch liegen bleibt, einen Film schaut und erst am nächsten Tag weiter arbeitet. Ich gönne mir mal das Liegenbleiben an einem Sonntag.

– Verstanden: Schöne Momente sind nichts für die Gierigen, sie sind nur für die Genießer. Je mehr man intensive Momente halten will, desto schneller verfliegen sie. Ich habe das Loslassen gelernt und das war sehr schmerzvoll… aber stärkend.

– Zum Beispiel habe ich mich von einigen Muskeln getrennt. Ja, ich war traurig. Nein, viel mehr war ich geschockt. Der letzte Schub ist doch gar nicht so lang‘ her, was soll denn das jetzt?! Es ist immer wieder ein Prozess: Wahrnehmen, wütend sein, trauern, akzeptieren und nach neuen Wegen suchen. Ich weiß seit meinem elften Lebensjahr, dass ich immer wieder an Muskelkraft verlieren werde und trotzdem ist es immer noch ein Schock. Nach neuen Wegen suche ich noch.

– Neue Menschen begrüßte ich mit Wein und selbstgemachten Keksen. Wenn Wein und Kekse nicht mehr ziehen, versuche ich es mit Kaviar und Wodka.

– Ich habe getanzt! Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich auf die Tanzfläche gezogen und als ich mich weigern wollte, sagte meine kleine Schwester: „Du kannst tanzen! Nicht mit den Beinen, aber du kannst. Los!“ – Sie gibt mir Mut und Kraft. Trotzdem HASSE ich Tanzflächen!

Kleine Anekdote dazu:
Er: „Schade, dass du nicht tanzen kannst… Ich würde so gern!“
Ich: „Ich tanze im Herzen. Siehst du das denn nicht?“

Im Klartext bedeutet der Satz „Es bleibt alles im Fluss, aber es bleibt niemals etwas stehen.“ nämlich, dass ständig etwas passiert (oder passieren kann) und du nur der Zuschauer der Ereignisse bleibst, mit kleinen Gelegenheiten selbst und bewusst einzugreifen. Den Moment darf man allerdings nicht verpassen. Du hast nur selten die Sicherheit, dass dein guter Zustand so bleibt, wie er ist. Im Gegenzug kannst du sicher sein, dass jeglicher schlechter Zustand nicht für längere Zeiten verweilt – man weiß allerdings nicht, ob eine Besserung oder Verschlechterung naht. Emotional auf Hochtouren: Du trennst dich oder nimmst Neues an. Das ist anstrengend und bereichernd zugleich.

Die Vorfreude auf die Zukunft steigt. Weil alles fließt und nichts bleibt.

Frohes Neues Jahr!

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