Leben mit Assistenz – so generell.

„Wie flirtet ein Leprakranker?“, sagte sie, und kann vor Lachen kaum sprechen. Ich kann vor Lachen nicht raten und zeige mit den Händen, dass ich keine Ahnung habe. „Er wirft ein Auge auf sie!!!“, löst sie auf und wir beide kriegen uns vor Lachen nicht ein. Ein Witz nach dem nächsten folgt, die Augen tränen, der Bauch schmerzt.
Dann klingelt mein Telefon. An der Nummer erkenne ich, dass es ein langes Gespräch sein wird und das Lachen ist aus meinem Gesicht verschwunden. Ich sage: „Machst du mal bitte die Tür zu?“, und erkläre nicht warum. Das muss sie nicht wissen, auch nicht wer anruft.

Es ist nicht einfach eine persönliche Assistentin zu sein.

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Phobien-Comic

Mir ist zu Ohren gekommen, dass hier gern lustige Geschichten aus meinem Alltag gelesen werden. Ha! Ich könnte so vieles erzählen! Und ich will euch an vielen Alltagssituationen teilhaben lassen. Aber vorher möchte ich eins loswerden: Es ist nicht lustig, weil es lustig ist. Es ist lustig, weil ich manche Situationen oft als eine Comiczeichnung sehe und das ist dann doch irgendwie ganz lustig. Ach was rede ich hier eigentlich…?! Hier meine neue Comic-Geschichte:

Es war spät. Ich war mit Jonas ein (oder auch zwei) Bier trinken und war froh, dass ich den letzten Bus bekommen habe. Es ist ja immer so nervig mit dem Nachtbus… Es dauert, es ist komischerweise immer voll und es ist einfach nur blöd. „Puh, gleich kann ich ins Bett und endlich schlafen.“, dachte ich. „Vielleicht esse ich noch schnell etwas.“ Morgen muss ich nach Köln, ich will dort unbedingt eine Ausstellung des Fotoprojekts „Stärke braucht keine Muskeln“ organisieren.

Wenn ich müde bin, dann verspüre ich selten eine Gesprächsmotivation. Meine Assistentin war wohl auch müde, wir schwiegen uns an. Ich gab nur Wörter von mir: „Brot. Tee. Hände waschen. Bett.“ Sie gab mir Brot, Tee, half mir beim Händewaschen und… ich hörte, wie sie die Tür zu meinem Wohnzimmer zumachte. Nicht laut, nicht hektisch, aber sehr bestimmt.

„Anastasia…“
„Ja…?“ – man hörte meine Neugier. Aber auch meine Müdigkeit.
„Anastasia. Es tut mir wirklich Leid. Aber wir können nicht mehr ins Wohnzimmer.“
„Was?“ – ich hielt es für einen Witz. Einen Comic!
„Dort sitzt eine riesige, fette, schwarze Spinne. Es geht wirklich nicht!“

Ich höre dich, lieber Leser, lachen. Aber das ist nicht lustig. Ich saß also da, an meinem Küchentisch, trank meinen Tee und freute mich auf mein Bett, als meine Nacht auf den Kopf gestellt wurde. Schnell spielte ich alle Optionen durch:

– Dosenbier nach der Spinne werfen?
– Oder lieber Kissen?
– Mit dem Staubsauger wegsaugen?
– Ignorieren geht wirklich nicht?

Nein. Nichts davon sei möglich. Wirklich nicht! Meine Assistentin hatte eine Spinnenphobie und jeder Mensch, der eine Phobie hat, der weiß, was es bedeutet. Ich gehe zum Beispiel nicht gern in den Keller, aber das ist jetzt eine andere Geschichte. Jedenfalls habe ich für Phobien großes Verständnis.

Ja, aber wie ist denn das? Sollte man als Arbeitgeber auf die Phobien der Mitarbeiter Rücksicht nehmen? Manchmal ja, aber nicht immer.

Wir müssen jetzt nicht darüber diskutieren, dass wir alle unterschiedlich sind und dass wir alle irgendwelche Macken haben, mit denen wir anecken und doch hoffen, mit ihnen akzeptiert und gemocht zu werden.

In dem Assistenzjob ist es allerdings so, dass die Assistentin manchmal Dinge tun muss, die sie in ihrem Alltag anders macht (Wäsche waschen), zu anderen Uhrzeiten, als sie es gewohnt ist und Dinge, die ihr unangenehm sind muss sie eben auch manchmal machen. Durch ihre Hände erwerbe ich meine Freiheit! Durch ihre helfenden Hände kann ich meinen Alltag bewältigen und vergesse, dass ich eine körperliche Einschränkung habe. Doch was ist, wenn sie selbst eine „Einschränkung“ hat?

Es ist immer eine individuelle Entscheidung des Arbeitgebers. Ab wann fühlst du dich wirklich und merkbar eingeschränkt? Kannst du das Problem anders lösen oder verzichtest du dann auf etwas? Wenn du dich eingeschränkt fühlst, auf Dinge verzichtest und ein schlechtes Gefühl hast, wenn die Assistentin morgen ihren Dienst hat… Dann solltet ihr euch trennen.

Zwei Stunden später, etwa gegen 03:00 Uhr, lag ich endlich im Bett. Mein Vater musste uns retten, was er sehr amüsant fand. Wir nicht. Bei uns war es eine Mischung aus Verzweiflung, Adrenalin, Tränen, Ratlosigkeit und am Ende erleichtertes Lachen.

Ich habe meiner „Spinnen-Assistentin“ übrigens nicht gekündigt. Ich achte aber darauf, dass keine Spinnen in der Wohnung sind, bevor sie zur Arbeit kommt.

Beitragsbild: tierbildergalerie.com

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Dusche. Wo ist hier die Dusche?!

Vielleicht merkt man es an meinen Blogbeiträgen oder meinen Erzählungen bei einer Tasse Tee: Mein Leben ist nur selten langweilig. Man könnte sagen, mein Leben IST das Abenteuer selbst. Ich mag es so. Und dennoch muss ich, mitten im Abenteuer steckend, immer wieder mit dem Kopf schütteln und mich fragen, wie ich in diese Situation geraten konnte. Dennoch wissend, dass es auch diesmal gutgehen wird und ich mich schon ganz bald ins nächste Abenteuer stürzen werde. Oder fallen. Vielleicht werde ich aber auch geschubst, man weiß es immer nicht so genau.

25. Juli: Ich war mal wieder urlaubsreif. Eigentlich bin ich immer urlaubsreif. Insbesondere nach der großen anderStark-Vernissage musste ich mir einige freie Tage gönnen. Ich buchte beinahe willkürlich die Hotels in einigen Städten. Einzige Voraussetzung: Rollstuhlgerechtes Zimmer. Der Rest wird schon klappen, hat ja immer irgendwie geklappt; und was soll schon bei einem 4-Sterne Hotel passieren?, dachte ich.

Ausgerechnet an diesem Tag waren die Temperaturen so angestiegen, dass ich nur noch an Wasser denken konnte. Ich hatte durst und wollte duschen. Sofort! Angekommen im Zimmer ging meine mich begleitende Assistentin ins Bad. Wir verreisen oft zusammen und sagen vor jeder Reise nicht ironiefrei: „Mal sehen, was dieses Mal alles schief laufen wird.“
„Und?“, rief ich aus dem Zimmer. „Ist es sehr dramatisch?“ Sie schwieg. Also ja.

Ich bin es gewohnt, dass jedes Mal etwas „unperfekt“ ist. Entweder ist das Waschbecken zu hoch, oder nicht unterfahrbar, oder der Übergang zur Dusche hat eine kleine, aber eigentlich zu hohe Stufe, oder das Bett ist zu niedrig oder zu hoch, oder… oder… oder… Die Liste könnte ich unendlich fortführen. Aber es waren immer Dinge, mit denen man sich anfreunden kann. Irgendwie.

Ich fuhr ins Bad. Und… schwieg. Ich starrte in die gleiche Richtung wie meine Assistentin und spielte nur eine Millisekunde mit dem Gedanken die Koffer gar nicht erst auszupacken. Dann lachte ich. Meine Assistentin nicht, sie gucke immer noch auf die Badewanne. „Und was machen wir jetzt?!“, fragte meine Assistentin und ich hörte leichte Panik gemischt mit Verzweiflung in ihrer Stimme. Sie wollte mich nicht stinkend erleben, so viel war klar. Und ich habe keine Möglichkeit in die Wanne zu kommen, so viel war auch klar.

„Entschuldigen Sie, ich glaube, da ist etwas schiefgelaufen… Ich brauche eine Dusche… und in meinem Zimmer ist nur eine Badewanne. Könnte ich das Zimmer wechseln?“

„Wir haben keine anderen Zimmer, das tut uns Leid!“

Meine Augen wurden groß, meine Assistentin nervös, mein Puls blieb noch ganz ruhig.

„Okay. Sie haben aber sicherlich einen Spa-Bereich, den ich nutzen könnte? Es ist Hochsommer, ich muss ja irgendwann duschen, Sie verstehen…“, ich grinste.

„Ja… normalerweise schon… nur wird dieser leider umgebaut… da können Sie nicht hin.“, der nette Herr an der Rezeption wurde nun auch nervös. Gut so.

„Okay. Was soll ich tun? Mir ein anderes Hotel suchen oder helfen Sie mir beim Duschen?“ – manch einer mag das als einen Flirtversuch deuten, was aber nicht als solches gemeint war. Ich bin lediglich immer lösungsorientiert.

„Ähm, ich würde gerne…“ (er flirtete mit mir!) „Zehn Minuten von hier ist das Tochterhotel von uns, dort können Sie den Spa-Bereich nutzen!“

Na geht doch. Ich freute mich. Meine Assistentin schien ruhiger, aber noch leicht nervös: „Und… wie machen wir das dann?“ Ich wusste es auch noch nicht. Irgendwie wird das schon klappen. Wie immer.

Hingegangen mit Vorfreude auf das Duschen, währenddessen verlaufen, der Spa-Bereich hatte schon zu. Wir gingen verschwitzt (also ich) essen, gut gelaunt trotz des Abenteuers. Aber nur weil ich wusste: In ein paar Stunden, dann kannst du duschen…

Ich habe schon die lustigsten Duscherlebnisse gehabt: Im Keller, mit einem Gartenschlauch, auf einem Karton sitzend… Macht nichts. Ich würde es jederzeit wiedertun! Ich liebe die kleinen Herausforderungen meines Alltages.

Ab geht’s zum nächsten Dusch- und Abenteuerlevel!
Ich werde berichten.

***

Bei dem obenerwähnten Hotel handelt es sich um folgendes Hotel:

Lindner Hotel City Plaza
Magnusstrasse 20
50672 Köln
Deutschland

Das Hotel bekommt diese Veröffentlichung zugeschickt mit der Bitte ihre Barrierefreiheit zu optimieren, bzw. einen Vermerk auf die Website zu setzen.

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