…hätte ich es doch schon mit 16 gewusst!

Es ist so voll in meiner Wohnung, dass sich eine Schlange vor meinem Bad gebildet hat. Die Wartezeit vertreiben sich die Leute mit kurzem Abstecher zum Buffet, dem Getränkestand und der Zeit sich mit neuen Gesichtern zu unterhalten. Meine Partys gleichen oft einer Netzwerkparty, wo sowohl amouröse als auch berufliche Kontakte entstehen können. Alle lachen, einige tanzen, irgendjemand hat eine Konfettikanone mitgebracht und gerade jetzt zur Freude aller gezündet. Die Klospülung läuft, was die Warteschlange um einen Menschen kürzer werden lässt.

Es ist mein Geburtstag.

Weiterlesen

Office Inklusive: Der Job am Meer

Gemeinsam mit Microsoft Deutschland werde ich mich in den kommenden Wochen dem Begriff „Digitale Teilhabe“ widmen und mich auf die Suche nach neuen Potentialen von Teilhabe mit und durch Digitalisierung begeben. Wie kann man sein Netzwerk erweitern, produktiv von überall arbeiten oder mit moderner Technologie kreativ sein? Und was bedeutet eigentlich ein Internet ohne Barrieren? Mein Office ist bei dieser Suche übrigens inklusive und stets mobil dabei – denn ich blogge nicht nur vom Schreibtisch zu Hause, sondern auch von unterwegs, aus meinem Lieblingscafé oder eben dort, wo ich gerade bin.

***

An meinem Geburtstag erreichte mich ein Päckchen von meiner Freundin Julia, die ich lange nicht mehr persönlich gesehen habe. In dem schön verpackten, kleinen Paket war ein Buch, das mein Denken über die Arbeit und mein Leben – „Worum geht es hier eigentlich?!“ – nochmals verändern sollte. Das, was ich schon lange fühle und wonach ich versuche, zu leben, wurde mir nochmal nähergebracht. Ich habe das Buch an zwei Abenden verschlungen, nur um dann wach im Bett zu liegen und zu denken:
„Du kannst jetzt nicht schlafen. Das Leben wartet!“

Immer wieder beschäftigen mich die Fragen:

Warum arbeite ich? Warum arbeitest Du?“ und ich weiß aus Erzählungen und eigener Erfahrung, dass die meisten Menschen arbeiten, um irgendwann, wenn sie alt und sowieso zu schwach für alles Weitere sind, weniger arbeiten zu müssen.

Ich spüre, dass das nicht mein Weg ist. Ich ahne, dass ich gar nicht so alt werde, um die kleine Rente in einem Haus am See zu genießen. Wahrscheinlich werde ich nie die Zeit haben, um am Meer zu sitzen und endlich meine Ideen, Visionen und Erlebnisse aufzuschreiben.

Was, wenn es übermorgen vorbei ist und ich im Sterbebett liege und mich über den Stress im Job ärgere, die scheinbar ungenutzte Zeit herbei sehne?

Ich möchte so nicht das Ende meines Lebens nicht erleben. Es gibt nur diese eine Chance – ich will sie nutzen. Aber wie?

Nicht ich gehe zu meinem Job, sondern der Job geht mit mir.

Ich kann den Gedanken nicht ertragen, täglich an einem Ort zu sein, aus dem gleichen Fenster zu gucken und die Sonne auf meinem Gesicht nur an einem Samstagnachmittag zu spüren. Ich möchte mich nicht damit anfreunden, eine längere Arbeits-ToDo-Liste zu haben, als ich körperlich oder zeitlich schaffen kann. Ich möchte nicht mehr mit Luftnot ins Bett gehen und von ruhigeren Zeiten träumen. Sie werden nämlich nie kommen. Ich muss die ruhigen Zeiten selbst heranholen. Und ich spreche dabei nicht vom faul sein oder „chillen“.

Das Leben ist heute. Nicht gleich – sondern JETZT.

Ständig hört man, wie sich alle auf den Jahresurlaub freuen. Auf einen freien Abend. Auf das Ausschlafen. Auf mehr Zeit am Küchentisch. Mehr Zeit mit dem Partner, mehr intensive Momente generell.

Dann frage ich mich, warum man sich diese Zeit nicht nimmt? Wenn man nur dann produktiv arbeiten kann, wenn man ausgiebig gefrühstückt hat und vor zwölf Uhr sowieso nicht wirklich wach ist, dann ist es okay – man sollte ausgiebig frühstücken und ab zwölf Uhr den Arbeitsalltag beginnen. Wieso peitschen wir uns selbst so aus?! Warum gönnen wir uns so wenig Freiheit?

Es gibt genug Barrieren, genug Grenzen – sei nett zu Dir.

Ich weiß, dass meine Vision und mein Drang nach Freiheit illusionär zu sein scheint, ein bisschen naiv und leicht (!) verrückt ist. Unmöglich ist es dennoch nicht, das weiß ich. Wenn da nicht die üblichen Barrieren wären. Das Geld, die Erwartungen, die üblichen Arbeitsbedingungen… Erst wenn alle beginnen umzudenken und ihren persönlichen Wert auf etwas Anderes lenken, als „Das war schon immer so, deshalb bleibt es so!“, erst dann wird sich die Arbeitswelt und unsere Produktivität verändern. Sie wird nämlich gemeinsam mit unserer Lebensqualität und dem Glücksgefühl steigen.

Ich fahre ans Meer, weil ich dort am schnellsten zur Ruhe komme und dort gut arbeiten kann. Und ich nehme meine Ideen und meinen Arbeitsplatz – bestehend aus dem Surface 3, Microsoft Office und einer Bluetooth Tastatur – einfach mit!

Foto: Microsoft Corporation

Weiterlesen

Gib mir die Inspirationsspritze (nicht so wie ihr jetzt denkt)!

Boah… wann ist der Vortrag endlich vorbei?!“, dachte ich während ich den Worten auf der Bühne zu folgen versuchte. Ich bin fast eingenickt. Noch 40 Minuten.

Ich schweifte ab. Ich überlegte, wo ich einen alten, schicken Spiegel für mein Schlafzimmer bekommen kann und dann fragte ich mich, wie ich wohl auf Bühnen wirke, weil ich ja gar nicht so doll Gestikulieren kann… Haben Menschen mit einer Muskelerkrankung oder einer sonstigen Behinderung, die sie sehr einschränkt, überhaupt so etwas wie ‚Körpersprache‘? Angeblich habe ich eine, aber ich kann es mir nicht so Recht vorstellen.

„Vielen Dank, dass Sie dabei waren! Ich hoffe, Sie gehen inspiriert nach Hause.“ Alle klatschen. ‚Inspiriert‘ sieht anders aus. Ich war überrascht, wie viele Gedankengänge man in einer Stunde durchdenken und sich dabei selbst inspirieren kann. Die Dame auf der Bühne hat es leider nicht geschafft. Mir tut es Leid um zwei Stunden meines Lebens, die flöten gegangen sind.

Dabei wünschen wir uns alle so sehr Inspiration! Jemanden, der uns ‚flasht‘, der uns etwas Neues erzählt, zeigt oder mit uns unternimmt. Der uns motiviert und zum Lachen bringt. Wir wollen die Dinge mal wieder so sehen, wie man sie noch nie gesehen hat – mal wieder einen „Aha-Moment“ erleben, mal wieder leuchtende Augen bekommen und das „Wow-Gefühl“ im Bauch spüren.

Menschen mit einer Behinderung sind oft Inspirationsobjekte und ärgern sich darüber. Es gibt unzählige Blogbeiträge und Youtube-Videos dazu. Ja, ich verstehe nach wie vor worum es geht – und bin immernoch unfassbar genervt, wenn man sich an meiner Existenz erfreut. Aber darum geht es mir hier nicht… Noch vor einiger Zeit war auch ich auf dem Trip derjenigen, die laut gerufen haben:

Neeeeeiiiiin, Schluss mit der Inspiration! Hol sie dir woanders! Ich hab kein Bock mehr!!!“

Bis ich eines Tages – seit dem immer öfter – gemerkt habe, wie gelangweilt ich bin. Ich bin älter, reifer, erfahrener in einigen Sachen. Mich schockiert wenig. Mich überrascht noch weniger. Mich beeindruckt aber auch weniger. Leider! Und so machte ich mich auf die Suche nach einer Inspiration… Überall. In jedem Menschen suche ich nach der verdammten Inspiration, die mich auf den Boden der Tatsachen zurück holt oder mir das Gefühlt gibt, dass ich mehr will, höher will – dass ich nicht aufhören kann, dass ich erst begonnen habe… Ich suche nach dem „Boost“, nach der Motivations- und Inspirationsspritze.

Es gibt sie. Sogar sehr oft, wenn man die Augen offen hält. Und die mich Inspirierenden sind unterschiedlich. Es sind Frauen, es sind Männer, Kinder und Rentner, Akademiker und Menschen ohne einen Schulabschluss. Schwarze und Weiße, Behinderte und Menschen ohne einer sichtbaren Behinderung. Und sie alle haben eine Geschichte. Sie alle haben Meinungen, Gedanken, Anekdoten und Ängste. Und nur wenige beschweren sich darüber, dass sie mich mit ihren Geschichten inspirieren (außer die mit der Behinderung).

Neulich sagte ein älterer Herr zu mir im Bus: „Sie strahlen Ruhe aus! Das wird mich den heutigen Tag über inspirieren, vielen Dank dafür!“

Ich lache vor Freude und frage mich:
Warum wollte ich nochmal niemanden inspirieren?

Heute ist der internationale Weltfrauentag. Inspiriert und lasst euch inspirieren!

Weiterlesen

Stell dir vor, es ist Inklusionsparty und keiner geht hin

Inklusives Kino und Theater, inklusives Café, Inklusionsabende und -morgenstunden, Krabbelgruppen für „besondere Kinder“, Klassen mit „Inklusionskindern“, inklusive Wohngruppen, Inklusionskongresse und -sportveranstaltungen. Und ja, inzwischen gibt es sogar Inklusionssongs. Inklusionspartys wo eh nur Menschen mit Behinderungen, ihre Assistenten und die übermotivierten Organisatoren hingehen.

Ich ertrage es nicht mehr.

Weiterlesen