…hätte ich es doch schon mit 16 gewusst!

Es ist so voll in meiner Wohnung, dass sich eine Schlange vor meinem Bad gebildet hat. Die Wartezeit vertreiben sich die Leute mit kurzem Abstecher zum Buffet, dem Getränkestand und der Zeit sich mit neuen Gesichtern zu unterhalten. Meine Partys gleichen oft einer Netzwerkparty, wo sowohl amouröse als auch berufliche Kontakte entstehen können. Alle lachen, einige tanzen, irgendjemand hat eine Konfettikanone mitgebracht und gerade jetzt zur Freude aller gezündet. Die Klospülung läuft, was die Warteschlange um einen Menschen kürzer werden lässt.

Es ist mein Geburtstag.

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Gib mir die Inspirationsspritze (nicht so wie ihr jetzt denkt)!

Boah… wann ist der Vortrag endlich vorbei?!“, dachte ich während ich den Worten auf der Bühne zu folgen versuchte. Ich bin fast eingenickt. Noch 40 Minuten.

Ich schweifte ab. Ich überlegte, wo ich einen alten, schicken Spiegel für mein Schlafzimmer bekommen kann und dann fragte ich mich, wie ich wohl auf Bühnen wirke, weil ich ja gar nicht so doll Gestikulieren kann… Haben Menschen mit einer Muskelerkrankung oder einer sonstigen Behinderung, die sie sehr einschränkt, überhaupt so etwas wie ‚Körpersprache‘? Angeblich habe ich eine, aber ich kann es mir nicht so Recht vorstellen.

„Vielen Dank, dass Sie dabei waren! Ich hoffe, Sie gehen inspiriert nach Hause.“ Alle klatschen. ‚Inspiriert‘ sieht anders aus. Ich war überrascht, wie viele Gedankengänge man in einer Stunde durchdenken und sich dabei selbst inspirieren kann. Die Dame auf der Bühne hat es leider nicht geschafft. Mir tut es Leid um zwei Stunden meines Lebens, die flöten gegangen sind.

Dabei wünschen wir uns alle so sehr Inspiration! Jemanden, der uns ‚flasht‘, der uns etwas Neues erzählt, zeigt oder mit uns unternimmt. Der uns motiviert und zum Lachen bringt. Wir wollen die Dinge mal wieder so sehen, wie man sie noch nie gesehen hat – mal wieder einen „Aha-Moment“ erleben, mal wieder leuchtende Augen bekommen und das „Wow-Gefühl“ im Bauch spüren.

Menschen mit einer Behinderung sind oft Inspirationsobjekte und ärgern sich darüber. Es gibt unzählige Blogbeiträge und Youtube-Videos dazu. Ja, ich verstehe nach wie vor worum es geht – und bin immernoch unfassbar genervt, wenn man sich an meiner Existenz erfreut. Aber darum geht es mir hier nicht… Noch vor einiger Zeit war auch ich auf dem Trip derjenigen, die laut gerufen haben:

Neeeeeiiiiin, Schluss mit der Inspiration! Hol sie dir woanders! Ich hab kein Bock mehr!!!“

Bis ich eines Tages – seit dem immer öfter – gemerkt habe, wie gelangweilt ich bin. Ich bin älter, reifer, erfahrener in einigen Sachen. Mich schockiert wenig. Mich überrascht noch weniger. Mich beeindruckt aber auch weniger. Leider! Und so machte ich mich auf die Suche nach einer Inspiration… Überall. In jedem Menschen suche ich nach der verdammten Inspiration, die mich auf den Boden der Tatsachen zurück holt oder mir das Gefühlt gibt, dass ich mehr will, höher will – dass ich nicht aufhören kann, dass ich erst begonnen habe… Ich suche nach dem „Boost“, nach der Motivations- und Inspirationsspritze.

Es gibt sie. Sogar sehr oft, wenn man die Augen offen hält. Und die mich Inspirierenden sind unterschiedlich. Es sind Frauen, es sind Männer, Kinder und Rentner, Akademiker und Menschen ohne einen Schulabschluss. Schwarze und Weiße, Behinderte und Menschen ohne einer sichtbaren Behinderung. Und sie alle haben eine Geschichte. Sie alle haben Meinungen, Gedanken, Anekdoten und Ängste. Und nur wenige beschweren sich darüber, dass sie mich mit ihren Geschichten inspirieren (außer die mit der Behinderung).

Neulich sagte ein älterer Herr zu mir im Bus: „Sie strahlen Ruhe aus! Das wird mich den heutigen Tag über inspirieren, vielen Dank dafür!“

Ich lache vor Freude und frage mich:
Warum wollte ich nochmal niemanden inspirieren?

Heute ist der internationale Weltfrauentag. Inspiriert und lasst euch inspirieren!

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Stell dir vor, es ist Inklusionsparty und keiner geht hin

Inklusives Kino und Theater, inklusives Café, Inklusionsabende und -morgenstunden, Krabbelgruppen für „besondere Kinder“, Klassen mit „Inklusionskindern“, inklusive Wohngruppen, Inklusionskongresse und -sportveranstaltungen. Und ja, inzwischen gibt es sogar Inklusionssongs. Inklusionspartys wo eh nur Menschen mit Behinderungen, ihre Assistenten und die übermotivierten Organisatoren hingehen.

Ich ertrage es nicht mehr.

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