Der Abschied von den Muskeln

Whooohooo!“, ruft jemand hinter mir, während der Saal vor Begeisterung tobt und alle laut klatschen. Das Ensemble des Theaterstücks kommt auf die Bühne des Hamburger Schauspielhauses und eine Frau aus den ersten Reihen ruft:

Heinz, ich will ein Kind von dir!“

Heinz grinst, formt seine rechte Hand zu einer Pistole, macht auf die langhaarige blonde Frau zielende Schießbewegungen und zwinkert ihr dabei zu.

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„Oh. Das habe ich nicht erwartet.“

Es sind immer diese regnerischen Tage, an denen ich denke: „So, es reicht!“ Es sind Tage, die über Veränderungen und Neubeginn entscheiden. Ich buche mir dann immer einen Städtetrip, miste meinen Kleiderschrank aus, schreibe einen Liebesbrief oder… ich fotografiere meine komplette Möbel und inseriere sie bei ‚ebay Kleinanzeigen‘. So war das auch an einem dieser Tage. Mein Schreibtisch stand in der dunkelsten Ecken im Wohnzimmer, ich litt unter massivem #kreaTIEF, es regnete und alles war scheiße.

„Ich würde gern die Tapeten abreißen.“, sagte ich zu meiner Assistentin. „Doch, doch, es ist mein Ernst.“

Eine Woche später war die Wohnung leer. Ich blickte mich um, atmete tief durch, und fühlte mich auf eine seltsame Art und Weise frei.

Mein Besuch fragte: „Wann kaufst du dir neue Möbel?“

Ich wusste es nicht.

„Was möchtest du nun anders machen?“

Ich wollte am Fenster arbeiten.

…und alles wurde anders. Und alles war so viel schöner. Alle hielten mich für verrückt.

Eigentlich wollte ich euch aber nur über die Begegnungen mit meinen Möbelkäufern erzählen:

Es klingelte um kurz vor der vereinbarten Zeit. Meine Assistentin ging zur Tür, sagte „Moin.“ und ging wieder weg. Und dann kam ich an die Tür. Verwirrter Blick des Besuches, ein minimalistisches Lächeln von mir.

„Moin, ich bin Anastasia, wir haben telefoniert.“ Immer noch ein verwirrter Blick.

Kurze Pause.

Ich hörte ihn / sie denken:

„Hä? Also… das habe ich nun nicht erwartet. Gott, was muss ich machen? Was darf ich NICHT machen? Gebe ich ihr normal die Hand oder…? Naja, wenn sie mir normal geschrieben hat.. und sprechen kann sie auch…“

„Oh. Das habe ich nicht erwartet.“, kam dann irgendwann.

Hand geben. Auf das Möbelstück hinweisen. Geld nehmen. Tür zu machen. Tschüß.

Für mich ist das nicht mehr und nicht weniger gewesen.

Für die Möbelkäufer war das wohl immer ein Ereignis, denn ab und zu bekam ich im Nachhinein eine Mail: „Du warst so beeindruckend ruhig und entspannt, so „normal“ (warum auch nicht?!), dass ich über dich mehr erfahren wollte. Was ich einfach sagen wollte: Dein Sofa sieht bei mir gut aus.“

„Oh. Okay.“, dachte ich.

Jede Begegnung ist auch eine Verantwortung. Gut, dass ich höflich war.

(Wenn ihr Lust habt den neuen Look meiner Wohnung zu sehen, kommentiert diesen Beitrag. Dann zeige ich euch was schönes… 🙂 )

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