Leben mit Assistenz – so generell.

„Wie flirtet ein Leprakranker?“, sagte sie, und kann vor Lachen kaum sprechen. Ich kann vor Lachen nicht raten und zeige mit den Händen, dass ich keine Ahnung habe. „Er wirft ein Auge auf sie!!!“, löst sie auf und wir beide kriegen uns vor Lachen nicht ein. Ein Witz nach dem nächsten folgt, die Augen tränen, der Bauch schmerzt.
Dann klingelt mein Telefon. An der Nummer erkenne ich, dass es ein langes Gespräch sein wird und das Lachen ist aus meinem Gesicht verschwunden. Ich sage: „Machst du mal bitte die Tür zu?“, und erkläre nicht warum. Das muss sie nicht wissen, auch nicht wer anruft.

Es ist nicht einfach eine persönliche Assistentin zu sein.

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Die behinderte Bachelorette

Heute Abend beginnt die gefühlt achtundfünfzigste Staffel der verzweifelten Singles, die krampfhaft versuchen ihr Singleleben zu beenden oder zumindest endlich Sex zu haben. Im Fernsehen. Ich spreche von dem Casting für die nächste Dschungelcamp-Staffel: „Der Bachelor“

Während das Netz sich über die Bewerberinnen beschwert, sich über die Karinas und Julias lustig macht, deren Outfits beurteilt und die Worte in deren großen Mündern umdreht, sitze ich still und grinsend da und schweife in meiner Fantasie ab. Nein, nicht wie ihr jetzt denkt. Der Bachelor, der arme Junge, der ist so gar nicht mein Typ – den könntet ihr mir nackt aufs Bett legen und ich würde ihm nur zärtlich über den Kopf streicheln. Aber eher wie eine Schwester.

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Stell dir vor, es ist Inklusionsparty und keiner geht hin

Inklusives Kino und Theater, inklusives Café, Inklusionsabende und -morgenstunden, Krabbelgruppen für „besondere Kinder“, Klassen mit „Inklusionskindern“, inklusive Wohngruppen, Inklusionskongresse und -sportveranstaltungen. Und ja, inzwischen gibt es sogar Inklusionssongs. Inklusionspartys wo eh nur Menschen mit Behinderungen, ihre Assistenten und die übermotivierten Organisatoren hingehen.

Ich ertrage es nicht mehr.

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Bloß keine Vorsätze für 2016

Während ich das hier schreibe, sind schon vier Tage des neuen Jahres um und das ist mir kaum richtig aufgefallen. Ich bin langsamer geworden. Ich nehme langsamer Abschied und ich nehme langsamer das Neue an. Das ist gut so, wohin die Eile?

Noch nie hatte ich so sehr das Gefühl, dass die Zeit schneller ist als mein Kopf. Ich bin nämlich sonst sehr schnell. Ich plane, ich mache, ich gestalte und ja, ich verliere mich sehr schnell. Dabei mag ich die Langsamkeit so sehr. In der Theorie.

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Weihnachten wie bei dem Edeka-Opa

Ach, schön, dass Du da bist! Seit gestern spinnt unser Internet irgendwie. Kannst Du mal schauen…?“

Ich hasse es. Ich hasse es wie die Pest durch die Tür meiner Eltern zu gehen und zu hoffen, nein – zu beten! – , dass deren Internet und der PC und überhaupt die ganze wenige Technik im Hause funktioniert. Ich bekomme es ja schon bei mir Zuhause kaum hin, meine Freunde richten mir meinen Drucker und mein neues Handy ein. Bei meinen Eltern bin ich der gescheiterte Techniker.

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Café Paris

Das Betreten der Location mit dem Kopf im Nacken ist ein Muss: Die Decke im Café Paris ist so wunderschön, dass man den Blick darauf ein paar Minuten verweilen lassen sollte. Es gibt keine Ecke, so scheint es, die nicht durchdacht ist. Jedes Detail, jedes Möbelstück – und das Essen erst! – ist voll mit französischem Flair. Ich mag das.

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Traumfrau ohne Rollstuhl gesucht

Ja, was soll ich sagen, es ist mir ja auch peinlich, aber es war einer dieser verregneten Tage, an denen man die Einsamkeit besonders spürt. Man sitzt in der Jogginghose und dem ältesten Hoodie vor dem Fernseher, frisst die Ikea-Torte, dessen Namen man sich nie merken kann (generell kann ich mir nie die Namen bei Ikea merken – außer „MALM“ und „PAX“) und guckt irgendeine Liebeskomödie auf SAT1, weil gerade wirklich nichts besseres läuft.

Zum Lesen zu müde. Zum Schreiben zu unkreativ. Gehirn – einfach aus. Ich fühle mich elend, einsam, esse alleine vor dem Fernseher. Bald ist auch noch Weihnachten.

„Klar, dass man hier nur interessante Frauen wie Dich trifft. Aber keine Traumfrauen.“, sagte er am Telefon. Das war unser erstes Telefonat. Ich habe ihn auf einer Singlebörse kennengelernt.

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